VINTAGE WATCHES BERLIN NEWSLETTER (Ausgabe 1 / JAN 2022)

GESCHICHTE DER FLIEGERUHR BREGUET TYP XX

Hier handelt es sich um einen sehr seltenen und attraktiven Militär und Fliegeruhr Chronograph Typ XX von der Firma Breguet. Die Ausführung ist in Edelstahl und mit einem schwarzem Ziffernblatt.

Bei der Bezeichnung Typ XX war das nicht ein Modellname oder eine Modellbezeichnung, sondern der Projektcode mit dem das französische Verteidigungsministerium die Spezifikation einer Militäruhr definierte, die die Piloten Ihrer Seestreitkräfte (Marine Flugstaffeln), ausstatten sollte.

Mit dem Beginn des „Kalten Krieges“, entschied die französische Regierung, dass Sie eine eigene Militärwache benötigen. Anfang bis Mitte der 50er Jahre präsentierten Sie ihre geforderten, verschiedenen Spezifikationen in einer Ausschreibung an verschiedene Uhrenfirmen, darunter war auch die Firma Breguet. Es wurden einige Voraussetzungen an die Uhr gestellt, wie z.B. sollte diese nachts trotz des schwarzen Ziffernblatt und den großen arabischen Leuchtziffern, gut ablesbar sein. In Bezug auf das Uhrwerk musste die Uhr innerhalb von 8 Sekunden am Tag genau sein und eine Gangreserve von mehr als 35 Stunden haben. Das wichtigste Merkmal aber, war eine „Flyback Funktion“ beim Chronographen, der es den Piloten ermöglicht, sofort zurückzusetzen und neu zu starten.

Das Uhrwerk 222 der Firma Valjoux, bestehend aus 2 Totalisatoren, mitlaufende Sekunde und 30 Minuten Zählwerk, sowie 2 Runddrücker zur Bedienung des Chronographenwerk. Des Weiteren musste die Uhr eine drehbare Lünette aufweisen, um den Piloten an bestimmte Ereignisse z.B. die Kraftstoffreserve zu erinnern.

Die vorliegende Uhr, welche unter anderem auf unserer Website zu sehen ist, gehört zu den außergewöhnlichen, seltenen Uhren, die in einem sehr guten Originalzustand überlebt haben. Bei der Krone dürfte es sich um eine ausgetauschte handeln. Die Uhr ist nicht poliert, aufgearbeitet oder restauriert worden.

Im Laufe der Geschichte der Breguet Typ XX wurde Sie entweder für militärische oder auch für den zivilen Gebrauch hergestellt und ausgeliefert.

In unserem vorliegenden Fall handelt es sich um eine militärische Ausführung, wie weiter unten noch beschrieben, anhand von FG Nummern zu belegen ist. Weiterhin ist Sie auch auf dem Ziffernblatt signiert mit der Information Breguet. Der Gehäuseboden wurde mit

Breguet

Typ 20

5101/54 graviert

und weiter mit FG und zusätzlichen Daten eingraviert.

Interessanterweise trägt der Gehäuseboden eine große Anzahl dieser FG Nummern, FG heißt eigentlich „Fin de garantie“(Ende der Garantie). Die Gravuren wurden vom Uhrmacher vorgenommen, der gleichzeitig dem Piloten aufzeigte, wann er wieder zur nächsten Revision muss, welche in der Regel alle 2 Jahre vorgenommen wurde/wird.

Zusätzlich ist der Boden signiert mit der Nummer

7195 H

Das ist nach unserer Recherche die Seriennummer.

 

Im April 1991 fand in Genf, Auktionshaus Habsburg eine sehr bedeutende Breguet Auktion statt. Ausnahmsweise wurden, zu den bedeutenden Großuhren und Taschenuhren von Breguet, die historischen Wert darstellen, auch 9 Breguet Flieger bzw. Militäruhren zur Versteigerung angeboten.

Damals zu sehr moderaten Ausrufpreisen 6 bis 8 tausend SFR (Heute würde man jubeln!)

Der Zuschlag erfolgte zwischen 12450 bis 18.480 DM.

 

Wie der Zufall es so wollte, war ich ca. 4 Wochen vor der Auktion in Paris, in einem Schmuck und Uhrengeschäft mit Antiker Ware nahe dem Flohmarkt „Porte de Clignancourt (Saint Ouen, Métro Paris)“. Dort entdeckte ich einen und zwar genau diesen Breguet Flieger Chronograph und entschied sofort aus dem „Bauch heraus“ diese zu kaufen. Ich kannte zu diesem Zeitpunkt nicht die Ausrufpreise. Auf dem Rückflug nach Berlin hatte ich Zeit meinen Neuerwerb zu bewundern und bestellte ein Glas Champagner zur großen Freude des Tages, dies musste sein, denn damals bezahlte ich umgerechnet 4.000 DM.

 

Euer Vintage Watches Berlin Team,

 

Christoph Alexander Kniehase & Thomas Kniehase